Robotrading.net - Newsletter für Montag, 19. Januar 2026
Marktüberblick: Kein Konsens, maximale Reibung
Die vergangene Handelswoche war ein Paradebeispiel dafür, warum Meinungs-Trading langfristig scheitert. Weltweit fehlte ein klarer Risk-On/Risk-Off-Konsens: Aktien nahe Allzeithochs, ein fester US-Dollar, steigende Rohstoffe und Bitcoin auf extremem Niveau – alles gleichzeitig. Wer hier versucht hat, „die Story“ zu handeln, wurde hin- und hergeschleudert.
Für systematische Trader hingegen war es genau das Umfeld, das Volatilität produziert, ohne Trends sofort zu töten. Chancenreich – aber nur für diejenigen, die Signale filtern, Risiken begrenzen und Emotionen komplett aus dem Prozess nehmen.
Rückblick – was letzte Woche wirklich relevant war
Aktienmärkte: Oberfläche ruhig, darunter Bewegung
USA
In den USA legte der S&P 500 lediglich moderat zu. Entscheidend war nicht der Indexstand, sondern die interne Marktstruktur:
- Marktführung verlagerte sich zeitweise weg von Mega-Caps hin zu Small Caps und zyklischen Werten.
- Klassische „Index-Longs“ lieferten wenig, Relative-Stärke-Ansätze dagegen umso mehr.
Das ist kein Zufall, sondern typisch für späte Phasen eines Bullenregimes: Kapital rotiert, nicht alles steigt gleichzeitig.
Europa & Asien
- Europa konnte leichte Zugewinne verbuchen, blieb aber stark daten- und stimmungsabhängig.
- Asiatische Märkte profitierten von China-Impulsen und nachlassenden Deflationsängsten.
Klartext: Global kein einheitliches Wachstumsnarrativ. Wer Märkte pauschal „bullisch“ oder „bärisch“ nennt, ignoriert die Realität.
Devisenmarkt: Der Dollar übernimmt wieder das Kommando
Der US-Dollar zeigte im Wochenverlauf eine klare bullische Tendenz gegenüber den meisten Majors.
Treiber waren:
- Geldpolitische Erwartungen in den USA
- Neue geopolitische Spannungen (Safe-Haven-Flows)
Besonders unter Druck standen rohstoffnahe Währungen wie AUD und NZD. EUR und GBP liefen dagegen überwiegend choppy und range-lastig.
Trading-Implikation:
- USD-Paare bleiben der Kernmarkt für News- und Event-Setups.
- Klassische Trendfolger ohne Event-Filter laufen hier ins offene Messer.
Gold & Silber: Absicherung und Spekulation steigen gemeinsam
Gold konnte zulegen und bleibt als geopolitische Absicherung gefragt. Silber folgte, zusätzlich gestützt durch industrielle Nachfrage.
Bemerkenswert – und nicht gesund im klassischen Sinne – ist die gleichzeitige Stärke von Gold, Öl und Bitcoin. Das signalisiert:
- latente Unsicherheit im System
- Kapital sucht Schutz und Rendite gleichzeitig
Für Trader heißt das:
Volatilität ja – aber mit größeren Stops, kleineren Positionsgrößen und sauberer Struktur.
Kryptowährungen: Hoch bewertet, brutal volatil
Bitcoin bewegte sich die Woche über grob zwischen 90.000 und 97.000 USD – mit teils extremen Tagesschwankungen.
Strukturell bleibt der Markt kurzfristig trendfähig, aber:
- zweistellige prozentuale Schwankungen auf Monatsbasis
- hohe Hebelwirkung auf jedes Fehl-Risk-Management
Unverblümt:
Wer Krypto-CFDs ohne strikt regelbasierte Positionsgrößen handelt, spekuliert nicht – er würfelt.
Fazit Rückblick: Märkte bestrafen Ungeduld
- Aktien: Rotation statt klarer Trend – Index-Level allein sind nutzlos.
- Forex: USD dominiert, aber mit abrupten Gegenbewegungen.
- Rohstoffe: Hohe Volatilität, ungewöhnliche Korrelationen.
- Krypto: Extremes Chancen-/Risiko-Verhältnis.
Das war keine Woche für Helden, sondern für Disziplin.
Ausblick 19.–25.01.2026:
Offizielles Risk-On, echtes Tail-Risk
Die kommende Woche startet mit einem scheinbar freundlichen Setup:
- robuste Makrodaten
- Aktien auf hohem Niveau
Gleichzeitig bleiben erhebliche Tail-Risiken im Markt:
- politische Themen (Trump-Agenda, Zölle)
- geopolitische Spannungen (Nahost)
- Krypto-Stress bei extremen Bewertungen
- Rekordstände bei Gold & Silber
Genau diese Kombination erzeugt abrupte Richtungswechsel, nicht saubere Trends.
Makro- & Event-Radar
- Einkaufsmanagerindizes
- Arbeitsmarkt- und US-Housing-Daten
- Mehrere Notenbank-Reden
Die Events bündeln sich zeitlich – perfekte Trigger für Volatilität in FX, Indizes und Gold.
System-Empfehlung:
- Vor High-Impact-Events Risiko runterfahren
- Nach Überraschungen selektiv hochfahren
- Kein Pre-Positioning aus „Gefühl“
Strategische Leitplanken für aggressive CFD-Trader
High Risk heißt bei Robotrading.net nicht „All-in“, sondern:
- ATR-basierte Positionsgrößen
- Event-Filter (keine Einstiege rund um News)
- bewusst hohes, aber hart gedeckeltes Risiko pro Trade
- Limitierung paralleler Positionen, um Korrelations-Cluster zu vermeiden
Ein Wochen-Drawdown-Limit ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Überlebenswillen.
Robotrading-Gedanke der Woche
Märkte interessieren sich nicht für Meinungen.
Sie respektieren nur Regeln – oder bestrafen deren Missachtung.
Genau deshalb setzen wir auf automatisierte, regelbasierte Systeme statt auf Bauchgefühl.
Bleib skeptisch. Bleib diszipliniert.
Dein Robotrading.net-Team
Hinweis: Der Handel mit CFDs und Kryptowährungen ist hochriskant und eignet sich ausschließlich für erfahrene Marktteilnehmer mit entsprechender Risikotoleranz.